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Wie kann ich singen wie Birgit Nilsson od.Fritz Wunderlich?

Diese Fragn wird in der Tat heute so nicht mehr oft gestellt. Wer unter Euch kennt aber nicht den Wunsch, einmal so zu klingen, wie Whitney Housten, oder Freddy Mercury, oder Paul Simon.

Um zu verstehen, warum das nicht möglich ist, müssen wir anerkennen, das alle Stimmen durch einen Wachstumsprozess entstehen. In der Tat müsste man sich dann zumindest entscheiden, welche Birgit Nilsson Stimme man denn nun haben will:

Darf es die junge, helle Stimme sein, oder das spätere dunkle Timbre, mit der diese unvergessene Wagner-Strauß Sängerin die Färbersfrau in "Frau ohne Schatten" gesungen hat.

Was ist mit Jon Vickers, der vor allem in jungen Jahren alle Partien mit zartem Schmelz bewältigt hat und doch später einen Canio (Paglliaccio) gesungen hat, daß man die Wirkung des Klanges fast meinte im Magen zu spüren. Für Enrico Caruso galt das Gleiche. 

Kaum ein echter Sänger, dessen Stimme nicht einen langen Reifungsprozess durchgemacht hat. Vor diesem Hintergrund versteht sich die Unmöglichkeit oder zumindest Unnatürlichkeit der bloßen Imitation einer Sing- oder auch Sprechstimme beinahe von selbst.

Der Weg, den wir als Vertreter verschiedener "Funktionalen Gesangschulen" gehen ist ein ganz anderer.:

  • Akzeptanz des Status Quo in der aktuellen sängerischen Gestalt
  • Analyse und Erfahrbarmachen aller Atem, Stimm und Resonanzfunktionen
  • Aufbau neuer funktionaler Zusammenhänge durch vergleichende Experimente 
  • Assimilation der neu gewachsenen Arbeitsweisen und Funktionszusammenhänge für den sängerischen Alltag

Das ganze vollzieht sich ähnlich wie in der Gestaltpädagogik in einer Art Kontaktzyklus mit verschiedenen nach und nach auftauchenden Problemen:
  1. Vorkontakt
    1. Der Lehrer ist bei sich. -Der Schüler ist bei sich.
    2. Der Schüler singt etwas oder der Lehrer schlägt eine bekannte Übung vor.
    3. Der Lehrer beobachtet und hört aufmerksam zu - Schüler macht einfach. 
  2. Erregung
    1. Ein Problem beispielsweise mit einem alten Dogma taucht auf
    2. Der Schüler regiert auf seine Weise.
    3. Der Lehrer nimmt das wahr.
    4. Der Lehrer leitet die Aufmerksamkeit des Schülers soweit möglich.
  3. Ergreifen des dysfunktionalen Aspekts
    1. Häufig ist es der Lehrer, der die Unstimmigkeit zuerst bemerkt.
    2. Besser ist es, wenn der Schüler diese selbst erkennt.
    3. Hier könnte eine Prozeßunterbrechung geschehen, wenn der Schüler sich mit dem Introjekt identifiziert und dieses noch nicht bereit ist, anzugreifen.
    4. In diesem Fall hilft es nichts, da müssen wir weiter suchen.
  4. Kontakt mit der Unstimmigkeit ist hergestellt
    1. Ein dysfunktionaler Zusammenhang wird als Unstimmig erkennbar gemacht
    2. Durch experimentelle Gegenüberstellung kann ein neuer funktionaler Zusammenhang angeboten werden.
    3. Kann der Schüler diesen integrieren, wird er selber die Dysfunktionalität, welche häufig durch unverdaute Dogmen (Gestalterisch: Introjekt) entstanden ist, zerstören.
  5. Nachkontakt
    1. Eine kurze Reflexion wird meist durch eine entsprechende Aufforderung des Lehrers eingeleitet.
    2. Der Lehrer wird jetzt Loslassen und wieder ganz zu sich kommen, um den nächsten Schüler zu empfangen.
    3. Der Schüler hat jetzt einiges zu verdauen (Assimilation). 

Eine wachsende Stimme braucht vieler dieser Fress-Attacken.