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Wenn wir mit einem Hobby anfangen wollen, oder die alte  Leidenschaft wieder aufleben lassen wollen, fallen den meisten von uns doch erstmal tausend Gründe ein, das ganze Vorhaben besser sein zu lassen: 

Spätestens bei den letzten 3 Argumenten haben wir uns dann stichhaltig selbst überzeugt, das es keinen Zweck hat. Auch wenn die letzten Argumente scheinbar keinen Widerspruch dulden, möchte ich kurz auf jedes einzelne Argument eingehen. Das hier ist  meine Meinung als Gesangpädagoge, der in 25 "Dienstjahren" sehr häufig auf diese Statements reagieren musste.  Es ist eine Synthese der Antworten, die ich schon mehrfach in verschiedener Gestalt gegeben habe. Wundere Dich bitte nicht, denn meine Antworten kommen meist als Aufforderung etwas zu tun, oder zu relektieren.

 

In diesem Post geht es erstmal um:

Meine Stimme ist nicht gut genug

Lass uns herausfinden, wozu Deine Stimme nicht gut genug ist. Singe einfach diese kleine Melodie mit mir, die Du kennst, oder diese kleine Tonfolge. Wenn das Ergebnis dann den Schüler zufriedestellt, können wir einfach weitermachen.

Leute die aber Ihre Stimme mit Ihren allgemeinen musikalischen Fähigkeiten verwechseln sagen dann:

 -->  "Ja, aber ich habe doch ganz falsch gesungen!".

An dieser Stelle kommt es darauf an, was die Persönlichkeit des Sängers braucht. Dieses Statement zeigt: Der Sänger wird von hohen Ansprüchen seiner selbst und/oder  seiner Umgebung geplagt. In diesem Fall kläre ich:

Meine Aufgabe an Dich war nur, die bekannte Melodie, oder Tonfolge nachzusingen. Das hast du getan und ich 'als Fachmann' bin damit zufrieden. Lass uns weiterarbeiten."

Menschen, die gerne alle mit einer angenehmen Stimme und "schönen Melodien" erfreuen möchten sagen dann auch schonmal:

--> "Meine Stimme ist so schrecklich (schwach, hässlich, laut, ..), dass muss doch furchtbar für Dich sein!"

Diese Sängerin  oder  dieser Sänger fühlen sich als Person nur akzeptiert, wenn sie mich oder "die Anderen" mit einer schönen Stimme oder einem schönen Lied glücklich machen kann. Wenn sie oder er dann noch sagen würde: "Lass uns lieber einen schönen Tee trinken, während ich DIr die CD meiner Lieblingssängerin vorspiele.." muss mir  auch als professioneller Lehrer mit Anspruch eines klar sein: Mit Rationalisierungen wie im obigen Beispiel kommen wir hier sehr wahrscheinlich nicht weiter. Stattdessen habe ich öfter so oder ähnlich reagiert:

" Vielen Dank, dass Du dieses Lied / diese Töne für mich gesungen hast. Ich mag, was Deine Stimme ausdrückt. Sie ist etwas ganz besonderes, was es so nur bei Dir gibt (/natürlich nicht unehrlich werden/). Gerne höre ich mit dir einmal Frau XY an. Wichtig ist mir aber, wie Du die Lieder auf dieser CD singst. Das würde ich sehr gerne hören."

 

Lutz Pfingsten 10.08.2017